
"Pariser Mode"
Eigentlich verlockt der Februar nicht wirklich zu einem Städtebummel-. Immerhin ist dieser Monat einer der tristesten im ganzen Jahr. Aber vielleicht gerade deshalb haben wir (mein Mann und ich) uns diesen Monat auserkoren, um in die „Stadt der Liebe“ zu reisen. Die Liebe steckt ja in uns – unabhängig von Wetter und Umgebung.
Gerade angekommen und mit dem Roissy-Bus gleich mitten ins Geschehen transportiert, waren wir von der Größe der Stadt und den überzähligen Prachtbauten, den riesigen Straßen und dem lebhaften Treiben zu tiefst beeindruckt. Die Oper war unser zentraler Punkt; von hier aus wollten wir die Stadt erkunden. Ein kleines aber feines Hotel in einem der kreuz und quer liegenden Seitengassen hatten Freunde aus Paris für uns gebucht.
Paris aufgepasst! – Erotikfachfrau auf Erkundungs-Tour!
Mein Mann freute sich schon auf das LOUVRE – und so führte unser erster Spaziergang vom Place Vendome – der den ersten „Phallus“ in der Mitte ziert – über den Place de la Concorde auf dem mich sogleich der zweite „Obelisque“ in seinen Bann zog. Mein Blick streifte umher, um gleich den dritten – den Eiffelturm – in der ferne zu erspähen.
Wir waren eben erst angekommen: 3 Phalli in den ersten Stunden! Interessant.
Was würde nun das berühmteste und größte Museum für mich bereithalten?Gleich im ersten Saal wurde ich fündig: die „alten Meister“ malten mit einer Hingabe und Präzision, unter Anderem auch nackte Körper, fingen die Schönheit der Menschen in ihren Werken ein, dass mir vor lauter Anmut fast Schwindelig wurde!
Die graziösen Bildnisse in überdimensionalen Malereien – und immer wieder nackte Tatsachen dazwischen. Auch Skulpturen von Männern und Jünglingen, die fast immer nackt dargestellt sind, ermunterten mich, genauer hinzusehen. Alle hatten knabenhafte Penisse; alle eine dezente Intimfrisur.
Und wie sind die Frauen dargestellt? Ihre Intimzone meist dezent mit einem Tuch bedeckt; Stoffe fließend über ihre Lenden gelegt. Bei fast allen Skulpturen und Bildern – von der Nike von Samothrake bis Psyche und Amor. Nur bei einigen, wenigen Bildern fand ich die Weiblichkeit ohne Verhüllung…. z.B.Das türkische Bad (J.-A.-D. Ingres) – jedoch immer ohne ein einziges Haar zu sichten. Waren die Frauen in den verschiedenen Epochen alle stets rasiert? In der Türkei gibt es doch eine spezielle Zuckerepilation. Wurde auch schon damals alles fein säuberlich weg-gezuckert?
Auch im POMPIDOU – wo sich die Zeitgenössischen Künstler wiederfinden: Männer nackt; mit offen gelegter Männlichkeit; Frauen dezent verhüllt.

"Erste Frauenrasierer"
Hier fand ich auch einen Zeitzeugen der Rassur. In dezenten Farben wurde der erste „Frauenrassier-aparat“ um 1950 von der Firma Braun unters weibliche Volk gebracht.“Fein“, denk ich mir.“wurde sicher seinerzeit auch nur für das Rasieren der Beine beworben – so wie der Vibrator eigens für die Gesichtsmassage seine Abnehmerinnen fand!“….
Mir stellte sich wieder einmal die Frage: Schambereich – ein weibliches Phänomen? – warum sollen wir uns schämen? Warum ist die Intimzone der Frau auch in der Kunst so versteckt?
Das Y ist wunderschön – fein, feminin, und voller Mystik!
Zwischen unseren Schenkeln tragen wir unser lieb gewordenes Geheimnis spazieren. Es ist in unserem Körper. Der, der es erkunden darf, eröffnen wir erst den Weg durch das spreizen unserer Schenkel.. Hier liegt die Weiblichkeit verborgen – also ist an dem Betrachten des nackten weiblichen Körpers, ganz ohne Verhüllung, nichts obszönes, nichts voyeuristisches zu finden.
Nicht mehr als das Betrachten eines nackten Männerkörpers – der allerdings viel mehr preis gibt. Doch der muss sich schon seit jeher nicht schämen, und wird in Bildern und Skulpturen heroisch, nackt, stark und männlich dargestellt!
Das Gleiche finde ich auf den Pariser Straßen wieder: Viele Skulpturen und Monumente – Nackte Männer, verhüllte Frauen.
Nur die weiblichen Brüste sind für den Betrachter auch ohne Zucht und Tadel ersichtlich. Schon eigenartig……

"Kleinstes Erotikfachgeschäft...."
Als wir nach dem Besuch im Pompidou auf der Suche nach Kaffee, Crêpes und etwas Ruhe durch Gassen mit unvergleichlichem schickem Pariser Flair schlendern, erblicke ich in einer winzigen Auslage mir wohl bekannte Artikel: Das selbe verkaufe ich doch auch! Was ist das hier? -Das ist ein, feines, aber winziges Erotikfachgeschäft! Das kleinste, das ich je gesehen habe…. und ich kenne Einige!…. Ich zögere nicht lange – ich muss da rein!
Die Verkäuferin begrüßt mich freundlich – aber irgendwie ist Sie in einem kleinen Kobel hinter einem Computer versteckt – nachdem ich meine „Spionage“ als beendet betrachtete, spricht sie mich an. In lückenhaften Französisch versuche ich ihr zu erklären, dass ich auch so ein Geschäft habe, und ich von der „Größe“ beeindruckt bin. Ca. 15 m² ist nun wirklich nicht viel. Mich erinnert es an mein „Vibratissimo“ im Condomi – dort, wo ich vor mehr als einem Jahrzehnt, mit dem Beginn des Vibrator-Enttabuisierens begonnen hatte…. Sie lächelt, und verweist mich in ein Geschäft, gleich um die Ecke, dort wäre die Auswahl und auch das Geschäft selbst größer!
Ich staune nicht schlecht; gleich um die Ecke? – „Komm“, sage ich zu meinem Mann, „da müssen wir jetzt auch noch hin, und der Kaffee kann warten!“

"Pariser Chic"
Ich betrete das von außen sehr dezent mit riesigen rosa Herzen dekorierte Geschäft: 1969 heißt es. Noch nie gehört! Wo der Zufall mich immer hin schickt!
Alles da. Das ganze Sortiment. Ich weiß, wer dies alles im Bausch und Bogen an die Fachhändler verkauft. Leider nichts Neues! Der Gesamtkatalog von Seite 1 bis 69. Leider kein persönliches Flair. Die Wände stylisch mit barockem Muster tapeziert. Grau, Lila, Weiß und das schicke Schwarz. Leider vergleichbar.

Das selbe in Grau, Lila, Weiß und Schwarz – hab ich schon gesehen. Sogar in meiner Nähe…. Tja – Jetzt werden sogar die Erotikfachgeschäfte schon austausch-, und verwechselbar! „Pariser Chic“. Ich muss lächeln. Dass eine Freundin aus Gols mit Ihren beiden erwachsenen Töchtern mich bei meiner Spionage-Mission jetzt Inflaganti ertappt, und ebenfalls zur gleichen Zeit am gleichen Ort ist, gipfelt diese Aktion ins Lächerliche.
Jetzt zieht es mich nach MONTMARTRE. Jetzt will ich es wirklich wissen.Was macht Paris zur Stadt der Liebe??
Vorbei am Place Clichy auf dem legendären Boulevard de Clichy und Boulevard Rochechouart.
Denn dort erwarte ich das echte Paris: Das Moulin Rouge!; das Pigalle! Und dort soll sich auch, so fand ich heraus: das Pariser „Musee de L´erotisme“ befinden!
Ziemlich ernüchtert musste ich feststellen, dass es hier auch nicht viel anders aussieht als in Hamburg auf der Reeperbahn – ein schmuddeliger Sex-Shop, mal groß, mal klein, nebeneinander; ein Etablissement mit Go-Go Tänzerinnen und Stripperinnen dazwischen.

"Pariser Erotikmuseum"
Leicht entzaubert freute ich mich nun auf das “Erotikmuseum“!
Ich hatte auch schon in Berlin das Museum der Beate Uhse besucht, und war demnach etwas voreingenommen – und erwartete mir nicht zu viel….
Doch siehe da. Äußerst amüsant und liebevoll zusammen getragenen einzigartige Stücke, gleich zu Anfang der uns zu erwarteten 7 Etagen!
Was mir am Besten gefiel: Eine Alte, (quasi ) Peepshow aus dem 18. Jhdt! Aus Holz geschnitzt, zum Aufziehen, und dadurch beweglich gemacht: Püppchen, die kopulieren; als Anregung zum Beischlaf. Gleich in zwei Ausführungen – soll wohl sehr beliebt gewesen sein; bewegte Bilder noch vor der Erfindung des Films.

"Peepshow anno dazumal"
Was mich neben all den anderen Bildern, Malereien und Illustrationen von damals auch noch sehr beeindruckte, waren die Holz,-Elfenbein,-Keramik und Porzellandildos aus fachkundigen Werkstätten oder von geschickten HandwerkerInnen.
Ich stellte mir die Herren oder Frauen vor, die heimlich im stillen Kämmerchen dies oder jenes fertigten, um die Frauenwelt damit zu beglücken.

"Löffelchen"
Das wirklich Beeindruckendste fand ich allerdings in der Vitrine gleich daneben: Die Löffelchen, die zum Auffangen des weiblichen Ejakulats „dem Nektar der Göttinnen“ diente! In vielen Epochen wurde diesem erquickendem Saft verheißungsvolle Kraft hinein interpretiert; ja gesundende Eigenschaft verheißen. Ich freute mich sehr über dieses Fundstück! Ein Beweis dafür, dass dieser Saft des Glücks und der Verzückung schon in langer Vergangenheit wahre Aufmerksamkeit und liebevoller Respekt gezollt wurde!

"Steinzeitdildos?"
Eine Etage höher ging mir ein Licht auf:
Das Paris, dass als die Stadt der Liebe bekannt ist wurde hier präsentiert: all die „leichten Mädchen“ mitsamt Ihrer „Puffmutter“ im Separee auf Zelluloid gebannt – vor rund 100 Jahren für die käufliche Liebe zur Schau gestellt.
Polizeiliche Anweisungen, Führungszeugnisse und Stundenzettel zur Abrechnung im Etablissement ebenso. Vom „Sanieren in regelmäßigen Abständen“ ist hier z.B. ein Dokument zu finden, bei dem sollte wohl die ärztliche Untersuchung und Überprüfung der unterschiedlichsten Geschlechtskrankheiten gemeint sein.
Dass diese Straße und dieses Viertel wohl die Gegend gewesen sein muss, in dem sich all jene tummelten, die in der Stadt zum einen Teil die „Liebe“ suchten, zum Anderen die „Liebe“ anboten, ist hier belegt. Auch in der heutigen Zeit findet man noch diese oben beschriebenen Reste; und mir wurde bewusst – Das war wohl damit gemeint: statt der Liebe!
Leider mussten wir nach einigen Tagen in dieser schönen Stadt wieder abreisen. Aber eines ist sicher: Wir kommen wieder! Vielleicht ist im Frühling oder Sommer mehr von der Liebe zu finden. Liebe, die sich nicht kaufen lässt, die verzückt, und nicht messbar ist. Sondern einfach nur fühlbar wird….
Hier noch ein paar weitere Impressionen:

"Für jeden Geschmack und Größe..."

"Noch eine Peepshow..."

"Reisepenis im Etui?"

"Ein Schuhüberzug....."
Februar 25, 2010
Kategorien: Gedanken, Neuigkeiten . Tags:Erotikmuseum, Intimfrisur oder Intimrasur?, Kunst und nackte Körper, oder wahre Liebe?!, Ware Liebe?! . Autor: Ingrid Mack . Kommentare: 1 Kommentar